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Was es mit der Sommergrippe auf sich hat - und was hilft


Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Die Nase läuft, der Hals kratzt, die Beine sind schwer und man fühlt sich schlapp und unwohl. All diese Symptome kennt wohl jeder aus dem Winter - der typischen Erkältungszeit. Dabei können einem auch bei Außentemperaturen von 25 Grad und mehr Viren begegnen, die einem das volle Erkältungsprogramm bescheren. 

Für die 25. Kalenderwoche (15. bis 21. Juni) vermeldet das Robert Koch-Institut (RKI) 2,9 Millionen neu aufgetretene akute Atemwegserkrankungen - ein Wert, der üblich für die aktuelle Jahreszeit ist. Experten-Antworten auf die sechs wichtigsten Fragen zur sogenannten Sommergrippe. 

1. Ist die Sommergrippe die kleine Schwester der Grippe, die man aus dem Winter kennt?

Nein. «Die Sommergrippe ist tatsächlich gar keine Grippe», sagt Prof. Eva Hummers, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM).

Die echte Grippe nämlich wird alle Jahre wieder im Herbst durch Influenza-Viren ausgelöst, deren Saison im Frühjahr endet. «Grippe gibt es im Moment so gut wie gar nicht», sagt Eva Hummers. Stattdessen handelt es sich in warmen Jahreszeit um sogenannte grippale Infekte, die durch andere Viren ausgelöst werden. 

Auch mit Blick auf die Symptome gibt es Unterschiede zwischen Grippe und grippalem Infekt, also einer Erkältung. «Die echte Grippe setzt super schnell und super heftig ein, von 0 auf 100 in zwei Stunden», beschreibt Eva Hummers. Im Gegensatz dazu entwickeln sich Erkältungen etwas gemächlicher. Infektiologe Prof. Andrew Ullmann sagt: «Es fängt langsam mit Halskratzen an, dann kommen Schnupfen und Husten dazu. Und selten etwas Fieber.»

2. Welche Viren lösen eine sogenannte Sommergrippe aus? 

Typische Erkältungsviren lösen eine sogenannte Sommergrippe aus, häufig sind Rhinoviren die Übeltäter. Und die gibt es quasi überall - auch im Sommer. «Viren mögen es vor allem, wenn Menschen beieinander sind. Und sie fahren gerne Bus und Bahn», sagt Eva Hummers. 

Übertragen werden sie über Tröpfchen- aber auch Schmierinfektionen. «Da reicht es schon, wenn jemand vorher in die Hand geniest und mich damit danach begrüßt hat», sagt Andrew Ullmann von der Universitätsklinik Würzburg. Fasst man sich dann mit der Hand an die Schleimhäute, etwa in den Mund, kann das der Startpunkt für eine Erkältung sein. 

Immerhin: Anders als in der nasskalten Zeit des Jahres halten wir uns im Sommer weniger in geschlossenen und womöglich schlecht gelüfteten Räumen auf, in denen feine Tröpfchen mit Erkältungsviren in der Luft hängen können. Das senkt das Infektionsrisiko in dieser Zeit des Jahres. 

3. Können Klimaanlagen Erkältungen auslösen? 

Nein. Hartnäckig hält sich die Annahme, dass Erkältungen auf Frieren zurückzuführen sind und dieser Logik nach zu kalte Klimaanlagen krank machen können. Das ist falsch, stellt Andrew Ullmann klar: «Auch ein Wechsel zwischen warm und kalt kann keine Erkältungssymptome auslösen. Das geht immer nur, wenn man sich mit Viren angesteckt hat.»

Was aber stimmt: «In klimatisierten Räumen oder auch im Flugzeug ist die Luft meistens relativ trocken. Das trocknet die Schleimhäute aus - und dann ist man besonders anfällig für Virusinfektionen, weil die lokale Abwehr nicht gut funktioniert», sagt der Infektiologe.

Eva Hummers rät, die Klimaanlage nicht zu stark runterzudrehen. Aber aus einem anderen Grund: «Kälte strengt den Körper an, dann muss er nachregulieren.» Besser ist es, das Gerät nur auf wenige Grad unter der Außentemperatur einzustellen.

4. Wie kann man einer Erkältung im Sommer vorbeugen? 

Regelmäßiges Händewaschen ist das A und O, wenn man Infektionen vermeiden will. Also: «Nicht mit ungewaschenen Fingern ständig ins Gesicht fassen. Und wenn unterwegs kein Waschbecken vorhanden ist, kann ein Handdesinfektionsmittel aus der Apotheke helfen», sagt Andrew Ullmann. 

Wenn man ein Eis oder Freibad-Pommes mit den Fingern isst, ist es eine gute Idee, sich vorher die Hände zu desinfizieren. Das geht auch mit Desinfektionstüchern. Wichtig ist, dass das Produkt nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Viren wirkt. Zu erkennen ist das am Hinweis «viruzid» auf der Verpackung. 

Eva Hummers empfiehlt zudem, auf eine gute Lebensmittelhygiene zu achten, vor der Zubereitung also die Hände gründlich zu waschen und saubere Arbeitsflächen und Geräte zu verwenden. 

Zudem kann ein gesunder Lebensstil die körpereigenen Widerstandskräfte stärken. Heißt: Gesundes Essen mit viel frischem oder tiefgekühltem Gemüse und Obst, viel Bewegung und ausreichend Schlaf. Denn nicht nur Menschen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Autoimmunerkrankungen sind besonders anfällig für Infektionen: «Auch, wer einen ungesunden Lebensstil führt mit Alkohol und Nikotin, hat ein höheres Risiko - vor allem Raucher», sagt Andrew Ullmann. 

5. Was kann ich tun, wenn es mich trotzdem erwischt hat?

«Auf sich selbst hören, nichts erzwingen, sich ausruhen und ein bisschen pflegen. Unter Umständen ein Schmerzmittel nehmen gegen Fieber und sich nicht überanstrengen», rät Allgemeinmedizinerin Eva Hummers. 

Bei Krankheitssymptomen ist auch eine gute Idee, regelmäßig das Fenster aufzureißen, um ansteckende Tröpfchen herauszulüften. Das senkt das Risiko, dass wenige Tage später alle anderen im Haushalt auch mit Husten und Schnupfen zu kämpfen haben. 

Zur Ärztin oder zum Arzt sollte man gehen, wenn das Fieber länger anhält, Atemnot dazukommt, man sich sehr krank fühlt oder Vorerkrankungen hat. 

Restbestände an Antibiotika aus der Hausapotheke einzuwerfen, ist jetzt allerdings keine gute Idee. Diese Medikamente wirken bei durch Viren ausgelösten Erkrankungen nämlich nicht. 

Letzter Tipp ist, sich in Akzeptanz zu üben. Es gibt nämlich kein Wundermittel, das die Erkältung wegzaubert. Wie bei im Winter gilt nämlich auch im Sommer die Faustregel: «Ohne Medikamente dauert ein grippaler Infekt eine Woche. Mit Medikamenten sieben Tage», sagt Andrew Ullmann. 

6. Hilft kaltes Eis gegen Halsweh? 

Ob im Sommer oder Winter: Schmerzt der Hals, können Lutschtabletten guttun, ebenso (Erkältungs-)Tees. «Auch kühle Getränke sind nicht so falsch», sagt Andrew Ullmann. 

Hinzu kommt: Je nach Außentemperatur ist einem vielleicht nicht wirklich nach Heißgetränken, um das Kratzen im Hals zu mildern. «Ein Eis ist eine gute Idee, auch wenn ich Fieber habe», sagt Eva Hummers. Plus: Der Griff ins Eisfach kann im besten Fall sogar für etwas Sommer-Feeling im Krankenlager sorgen.


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(01.07.2026)